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Wann
wurde mit der Design-Entwicklung des neuen M3 begonnen?
Weidhase:
Die ersten Ideen entstanden bereits 1996. Die Konzeptionsgruppe
hat ihre Arbeit 1997 aufge-nommen. Wir haben in einem Team von
zehn, elf Personen etwa zwei Jahre lang intensiv am Design des
neuen M3 gearbeitet.
Welche Überlegungen standen
am Anfang?
Weidhase: Wir haben neu, quasi auf einem weißen
Blatt Papier angefangen, die Vision des neuen M3 zu ent-wickeln.
Elementare Fragen, die am Anfang unserer Arbeit standen, waren:
Wie
muss ein innovativer Sportwagen aussehen? Welche Schwerpunkte
bzw. Akzente setzen wir beim Design mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln? Was will der Kunde? In dieser frühen
Entwicklungsstufe besitzt das Design eine besonders große
Entscheidungsfreiheit: Wie wird die Motorhaube oder das Heck
aussehen, welches Design bekommen die Stoßfänger,
die Kotflügel, die Felgen? Wie wird das Design des Exterieurs
mit dem des Interieurs verbunden? Am Anfang steht eine Vielzahl
solcher und ähnlicher Fragen, die das Design kreativ, inno-vativ
und in enger Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Technikern beantworten
muss.
Welche
konzeptionellen Vorgaben gab es?
Weidhase:
Ziel des Designs war es, den Hochleistungsanspruch des neuen
M3 ästhetisch in perfekter Art und Weise zum Ausdruck zu
bringen.
Wodurch lässt sich das Design
des neuen M3 charakterisieren?
Weidhase: Das Design visualisiert das Leistungspotenzial
und die Faszination des neuen M3. Es verbindet Rennwagentechnologie
und absolute Alltagstauglichkeit. Mit dem neuen M3 können
Sie bequem und mit viel Freude lange Strecken fahren, aber er
bietet auch auf dem Nürburgring in der Nordschleife eine
sensationelle Performance. Der M3 fährt dort Zeiten wie
vor einigen Jahren nur ein Rennwagen. Die einzigartige Verschmelz-ung
von Kraft, Komfort und Eleganz ist charakteristisch für
das Design des neuen M3.
Der
neue M3 wirkt sehr viel muskulöser als sein Vorgänger.War
das eine bewusste Entscheidung des Designs?
Weidhase:
Ja, die Differenzierung gegenüber dem Vorgänger ist
natürlich beabsichtigt. Der neue M3 besitzt unter anderem
verbreiterte Seitenwände vorn und hinten. Das sieht kraftvoll
aus, schafft Platz für breitere Bereifung und ermöglicht
eine perfekte Straßenlage. Muskeln entstehen bei Sportlern
an Körperteilen, die stark beansprucht werden. Übertragen
auf das Auto heißt das, dass beim Fahrwerk und über
dem Motor, also überall dort, wo viel geleistet wird, auch
das Karosseriedesign besondere Akzente setzen kann. Unser Ziel
beim Design
des Exterieurs war eine kraftvolle, aber äußerst
elegante und stilvolle Gesamterscheinung.
Welche
Bedeutung hatte die Ergonomie für das Design des neuen
M3?
Bachmann:
Die Ergonomie ist ein entscheidender Faktor beim Design des
Interieurs. BMW Designer müssen ergonomisch denken. Die
Sportsitze des neuen M3 wurden von uns nach modernsten Erkenntnissen
der Ergo-nomie entwickelt. Sie bieten perfekten Seitenhalt und
sind optimal auf das hohe Querbeschleunigungspotenzial des neuen
M3 abgestimmt. Die Sitze sind auch in der Lehnenbreite individuell
auf jede Körpergröße einstellbar und ermöglichen
ein komfortables, sportlich-entspanntes Fahren. Da spielt das
Material eine große Rolle, die Seitenführung, das
gesamte Design.
An
welchen Details wird die hohe Qualität des BMW M Designs
besonders deutlich?
Bachmann:
Den hohen Qualitätsanspruch, den Premium-Gedanken, bringt
die Gesamterscheinung des neuen M3 zum Ausdruck. Aber er spiegelt
sich natürlich auch in den Nuancen wie zum Beispiel den
handgebürsteten Aluminiumleisten oder dem eigenständigen
Nahtbild auf den Sitzen und den Türverkleidungseinsätzen
im Interieur wider. Die hohen Anforderungen an die Wertigkeit
der Materialien, die wir als Designer bei BMW M stellen, sind
mit intensiver Forschung und Entwicklung verbunden. Entscheidend
ist nicht nur die Optik, sondern auch die Haptik der Materialien.
Im Interieur des neuen M3 haben wir zum Beispiel atmungsaktive
Leder verar-beitet. Die sind natürlich kostspielig, aber
alle Materialien müssen eine hervorragende Qualität
besitzen, denn es geht ja darum, faszinierende Automobile zu
entwickeln. Der neue M3 bietet diese Faszination - und das zu
einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis.
Welche
Auswirkungen hatte die hohe Motorleistung des neuen M3 auf die
Gestaltung des Exterieurs?
Weidhase:
Eine Folge der hohen Motorleistung des neuen M3 war ein breiteres
Fahrwerk. Daraus resultieren größere Räder,
größere Bremsen und breitere Kotflügel. Technik
und Design des neuen M3 sind eng miteinander verzahnt. Der neue
M3 wurde immer wieder im Windkanal getestet, um einen minimalen
Luftwiderstand und optimal reduzierten Auftrieb zu erreichen.
Wir haben durch viele Elemente wie zum Beispiel die Heckspoiler-Lippe
und die neuen Stoßfänger mit größeren
Belüftungsöffnungen die Aerodynamik verbessert und
den Luft-durchsatz erhöht. Auch die Außenspiegel
tragen zur Optimierung der Aerodynamik bei. Dies alles sind
Innovatio-nen, die für eine konkurrenzlose Fahrleistung
sorgen und den neuen M3 zugleich auf den ersten Blick als eine
ästhetisch faszinierende Neuentwicklung ausweisen.
Welche
Arbeitsschritte standen am Anfang der Design-Entwicklung?
Weidhase:
Zunächst wurden viele unterschiedliche Design-Skizzen entwickelt.
Diese Zeichnungen wurden intensiv im Team besprochen, mehrfach
verändert und immer wieder neu präsentiert. Schließlich
haben wir eine Linie für das Design des Exterieurs festgelegt
und ein Tape-Rendering entwickelt. Das Tape-Rendering ist eine
aufwendige Zeichnung im Maßstab 1:1, die Schatten und
Lichtverhältnisse mit einbindet und einen sehr realistischen
Eindruck des zu entwickelnden Automobils vermittelt. Das Rendering
wurde präsentiert und dann fiel die endgültige Konzeptentscheidung
für den neuen M3. Nach dem Show-Rendering, bei dem die
gemeinsame Marschrichtung festgelegt wurde, sind wir an die
dreidimensionale Umsetzung der Zeichnungen, an die pragmatische
Arbeit gegangen.
Welche
Computertechniken wurden beim Design des neuen M3 eingesetzt?
Weidhase:
Ein besonders wichtiges Tool für die Design-Entwicklung
ist das Computer Aided Styling (CAS). Mit dem CAS können
wir die gesamte Karosseriestruktur und auch das Interieur am
Computer simulieren bzw. virtuell abbilden. Mit dem CAS lassen
sich Flächen verändern, Sicken einarbeiten, Spannungen
simulieren und vieles mehr. Bei allen Möglichkeiten, die
der Computer bietet, ist für das Design von BMW M Automobilen
allerdings immer das menschliche Urteilsvermögen entscheidend.
Was
leistet das Computer Aided Styling?
Weidhase:
Das CAS ist eine hervorragende Methode zur Planung und Gestaltung,
aufgrund seiner Genauigkeit, seiner Detailfähigkeit. Die
mit dem CAS entwickelten Formen lassen sich mit einem speziellen
Verfahren sehr schnell auch dreidimensional umsetzen. Dabei
kommt auch die Stereolithographie zum Einsatz, eine Technik,
die BMW in Zusammenarbeit mit der medizinischen Forschung entwickelt
hat. Die Stereolithographie ist eine Laser-
Technologie, mit der in der Medizin auch künstliche Knochen
und Hüftgelenke hergestellt werden können. Im Automobilbau
eingesetzt, ermöglicht die Stereolithografie die detailgetreue
Anfertigung vieler Einzelteile zu Versuchszwecken. Die Teile
sind noch nicht voll funktionsfähig, aber sie erlauben
erste Rückschlüsse auf ihre gewünschte Beschaffenheit,
ihre Ergonomie und Funktion.
Wie
arbeiten Designer und Techniker bei BMW M zusammen?
Weidhase:
Von elementarer Bedeutung ist der ständige Erfahrungsaustausch
mit den Technikern und Ingenieu-ren, insbesondere in der so
genannten Package-Phase. Die Package-Phase ist die Entwicklungsstufe,
in der Radstand und Spurbreite, Motorlage und viele weitere
Einzelheiten festgelegt werden. Hier bei BMW M hat das Design
gerade in dieser Phase einen großen Handlungsspielraum.
Was
gefällt Ihnen besonders an der Arbeit bei BMW M?
Weidhase:
Das Schöne an unserer Arbeit ist das breite Spektrum, von
der Entwicklung reinrassiger Sport-wagen bis hin zu luxuriösen
Sport-Limousinen. Besondere Bedeutung hat für BMW M, historisch
gesehen, die Entwicklung der M Tourenwagenfahrzeuge. Das Rennwagen-Design
ist ja extrem technisch und physikalisch ausgerichtet. Die komplette
Entwicklung orientiert sich an der Fahrleistung und am Rennerfolg.
Zwei Zehntel-sekunden mehr Geschwindigkeit sind auf der Rennstrecke
ein entscheidendes Kriterium, an dem sich auch das Design auszurichten
hat. Im Rennsport lernt man als Designer sehr gut, unter Zeitdruck
in einem Team mit Technikern und Ingenieuren zusammenzuarbeiten.
Die Rennstrecke sagt einem von Wochenende zu Wochen-ende, ob
man gut gearbeitet hat oder nicht. Dieses Feedback bekommt man
nirgendwo so knallhart zurück wie im Motorsport.
Der
Rennsport ist also eine gute Schule für Designer?
Weidhase:
Ja, im Rennsport lernt man schnell zu akzeptieren, dass es technische
Erfordernisse gibt, die man als Designer nicht umgehen kann.
Ich halte das für eine elementare Erfahrung für das
Produktdesign. Designer müssen künstlerisch denken,
sie müssen aber auch die Realisierbarkeit ihrer Ideen abschätzen
und im Rahmen der technischen Erfordernisse denken können.
Für das Design von BMW M Automobilen ist das Know-how aus
der Entwicklung von Rennfahrzeugen ein wichtiger Ausgangspunkt.
Dort heißt es für das Design ja eigentlich nicht:
form follows function, sondern: form is function. Form und Funktion
sind perfekt miteinander verzahnt. Das war auch beim neuen M3
eine Maxime. Wenn die Motorleistung eine verbesserte Kühlung
erforderlich macht, wenn das Auto größere Bremsen
benötigt, mehr Bremsluftschächte, dann müssen
wir das auch beim Design berücksichtigen. M Design muss
nicht nur ästhetisch faszinieren, sondern auch höchste
Funktionalität mit einschließen.
Inwieweit
muss das Design auch technische Lösungen berücksichtigen?
Bachmann:
Wir müssen als Designer Vorschläge für technische
Lösungen mit anbieten, sonst lassen sich unsere Zielvorstellungen
nicht realisieren. Es wäre nicht ausreichend, wenn wir
nur die "Verpackung" anbieten, ohne den Ansatz einer
technischen Lösung. Entscheidend ist die Kommunikation
zwischen Ingenieuren und Designern und die ist hier bei
BMW M sehr gut und konstruktiv. Die gesamte technische Entwicklung
und Konstruktion läuft Hand in Hand mit dem Design. Anders
funktioniert es nicht. Die perfekte Feinabstimmung des neuen
M3 wäre ohne die ausgezeichnete Teamarbeit von Ingenieuren
und Designern nicht denkbar.
Gab
es bei der Entwicklung des neuen M3 auch Punkte, bei denen Ingenieure
und Designer unterschiedliche Vorstellungen hatten?
Bachmann:
Ja, es gab natürlich auch unterschiedliche Vorstellungen.
Gerade beim Design des Interieurs finden viele konstruktive
Gespräche zwischen Designern und Ingenieuren statt. Die
entwickelten Zeichnungen und Modelle werden auch kontrovers
diskutiert, so lange, bis ein optimaler Weg gefunden wird. Es
ist nicht so, dass entweder das Design oder die Konstruktion
Recht behält. Ziel ist es immer, die Vorstellungen beider
Seiten auf ideale Art und Weise zusammenzuführen.
Wurden
auch Details wie z.B. die Schalter neu entwickelt?
Bachmann:
Ja, auch viele kleine Komponenten des neuen M3 wurden neu entwickelt.
Es sind ja oft gerade diese Details, die über die Qualität
des Bedienkomforts im Cockpit entscheiden. Alle Schalter müssen
leicht und komfortabel, intuitiv zu bedienen und für den
Fahrer sofort erreichbar sein. Die ergonomischen Funktionen
im Interieur entscheiden darüber, ob man sich wohl fühlt
in einem Auto oder nicht. Der neue M3 hat ein M typisches Instrumentenkombi
mit eigenständiger Skalengestaltung, die das sportlich-dynamische
Fahren perfekt kontrollierbar macht und die Spitzentechnologie
visuell sehr schön zum Ausdruck bringt.
Ein
wichtiger Schritt bei der Arbeit am Design des neuen M3 war
der Bau von Tonmodellen. Wie wurden die Tonmodelle hergestellt?
Weidhase:
Die Tonmodelle entstanden im Maßstab 1:1 und waren in
fertigem Zustand optisch kaum von einem Prototypen zu unterscheiden.
Die fertigen Tonmodelle wurden mit einer elastischen Folie aus
Kunststoff bezogen und dann lackiert. Auch die Scheiben sahen
täuschend echt aus, allerdings konnte man natürlich
nicht hindurchsehen. Das Tonmodell war silber lackiert und wurde
bei einer Präsentation dem Gesamtvorstand auf einer Drehscheibe
vorgestellt, zusammen mit dem Vorgängermodell, dem Schwestermodell
aus der Serie und einigen Wettbewerbern.
Wurden
auch für das Interieur des neuen M3 Tonmodelle entwickelt?
Bachmann:
Ja, in der Modellphase wurden auch Teile des Interieurs des
neuen M3 komplett in Ton gefertigt. Diese Modelle wurden einer
Vielzahl von Überarbeitungsstufen unterzogen. Bei der Entwicklung
des Interieurs erfüllen Tonmodelle eine wichtige Funktion.
Die meisten Komponenten des Interieurs, zum Beispiel die Sitze,
fertigen wir erst in Ton und dann in geschäumtem Kunststoff.
Erst wird harter, dann etwas weicherer Kunststoff-Schaum verwendet.
Dieses Material ermöglicht es uns hervorragend, am Modell
zu arbeiten und alle gewünschten Modifikationen vorzunehmen.
Man
muss also unterscheiden zwischen Tonmodellen und Schaummodellen?
Weidhase:
Ja, richtig. Die Tonmodelle brauchen wir für die Formfindung.
Bei der Funktionsfindung sind dann die Modelle aus Hartschaum
wichtig, gerade bei der Aerodynamik und bei den Aluminiumstudien.
Ton wäre in dieser Phase zu fragil. Dann geht es eine Stufe
weiter. Wenn uns das Tonmodell von der Form her gefällt,
erarbeiten wir mit dem CAS eine Detailausarbeitung und lassen
ein Funktionsmodell fräsen, bevor weitere Überarbeitungsstufen
folgen. Design ist ein ständiges Ausprobieren, Verwerfen,
Neuentwickeln und Entdecken.
Wie
sind Sie zum Beispiel beim neuen Lenkrad des M3 vorgegangen?
Bachmann:
Das Lenkrad des neuen M3 haben wir zuerst in Ton modelliert,
um bei der Formgestaltung die größtmögliche
Gestaltungsfreiheit zu besitzen. Dann sind wir einen Schritt
weiter gegangen, um zu sehen, ob sich die Schalter richtig bedienen
lassen, und haben ein Hartmodell gebaut. Schließlich war
die Entwicklung des Lenkrads so weit ausgereift, dass es in
einen Prototyp eingebaut und bei einer Testfahrt ausprobiert
werden konnte. Wenn die Testfahrer und Ingenieure in dieser
Stufe feststellen, das Lenkrad ist zu dick oder zu dünn,
es liegt nicht gut in der Hand, dann ändern wir das Design
- so lange, bis die Versuchsingenieure zufrieden sind und ein
perfektes Ergebnis vorliegt.
Welche
Bereiche gehören zum Design des Interieurs?
Bachmann:
Dazu gehört das komplette Design des Wageninneren, einschließlich
des Motor- und des Kofferraums. Das Design des Interieurs umfasst
eine Vielzahl von Details, die entwickelt und aufeinander abgestimmt
werden müssen. Auch dort, wo es vielleicht kaum vermutet
wird, z.B. beim Design des Kofferraums, entsteht eine Menge
Arbeit. Der Kofferraum des neuen M3 bietet mit einem Volumen
von 410 Litern noch etwas mehr Platz als der Vorgänger.
Durch das M Mobility System wird eine Ersatzradmulde überflüssig.
Das Design des Interieurs ist eine eigene Welt, die in gewissem
Sinne noch komplexer ist als die des Exterieurs, da sie mit
sehr viel mehr Details verknüpft ist.
Werden
die Entscheidungen von einer Einzelperson oder im Team getroffen?
Bachmann:
Das Design wird im Team entwickelt. Besonders beim Design des
Interieurs wird in der frühen Entwicklungsstufe viel diskutiert.
Alle Beteiligten können in dieser Phase mitreden. Bei Farben
und Materialien bildet sich jeder Mensch eine individuelle Meinung.
Oft gibt es anfangs besonders bei der Auswahl von Aussen-farben
unterschiedliche Ansichten. Schließlich kristallisiert
sich aber ein Ergebnis heraus, das vom Team getragen wird. Als
Farbe für die interne Präsentation wird im Design
inzwischen Silber favorisiert. Silber zeichnet sehr schön
die Oberflächen, offenbart den kleinsten Fehler in der
Gestaltung des Exterieurs und erlaubt eine gute Kontrolle. Es
verhält sich relativ neutral beim Beurteilen.
Wie
kam es dazu, dass als Präsentationsfarbe für den neuen
M3 Phönixgelb ausgewählt wurde?
Weidhase:
Die gelbe Lackierung war schon beim Vorgängermodell sehr
erfolgreich. Wir waren damals überrascht, wie positiv sie
aufgenommen wurde. Der Anteil der gelben Lackierung lag beim
zweiten M3, soweit ich weiß, bei ca. 20 bis 30 %.
Haben
Sie schon während der Entwicklung des Designs daran gedacht,
dass Phönixgelb die Präsentationsfarbe für den
neuen M3 werden könnte?
Weidhase:
Ja, die Idee entstand, als es in die dreidimensionale Umsetzung
ging und wir eine erste Vorstellung davon bekamen, wie wir den
neuen M3 präsentieren wollen. Der neue M3 hat einen Riesenfortschritt
gemacht und das sollte auch in der Präsentationsfarbe zum
Ausdruck kommen. Deshalb haben wir uns für das Phönixgelb,
ein besonders lebhaftes Gelb, entschieden. Diese Farbe besitzt
fast chamäleonartige Eigenschaften: Der optische Eindruck
wechselt, je nachdem, wie das Licht auf das Automobil fällt.
Die Farbe ist sehr flexibel und bringt den Komfort und die Sportlichkeit
des neuen M3 exzellent zum Ausdruck.
Inwieweit
berücksichtigen Sie auch Anregungen von Kunden?
Bachmann:
Es gibt viele Anregungen, die wir berücksichtigen. Das
Feedback unserer Kunden ist sehr wichtig und wird von uns auch
sehr ernst genommen.
Kann
man die Entwicklung von Form, Material und Farbe voneinander
trennen?
Bachmann:
Nein, das lässt sich nicht trennen, alles wird parallel
entwickelt und miteinander abgestimmt. Beim Design sind alle
Entwicklungen eng miteinander verzahnt. Manchmal entsteht mit
der Entdeckung eines neuen Stoffes die Möglichkeit, eine
äußere Form anders zu gestalten, wie zum Beispiel
beim Sitz. Oder umgekehrt: Die äußere Form, ergonomisch
bestimmt, verlangt nach einem bestimmten Material und einer
bestimmten Farbe. Die Gestaltungsbereiche lassen sich nicht
voneinander trennen.
Gibt
es bei BMW M Spezialisten, die permanent auf der Suche nach
Materialien sind, gibt es eine Material-forschungsabteilung?
Bachmann:
Selbstverständlich gibt es eine Materialforschungsabteilung
bei BMW M. Zusätzlich arbeiten wir als Designer natürlich
auch auf diesem Gebiet parallel, gehen selbst auf die Suche
und entwickeln eigene Vorstel-lungen. Es gehört zur Arbeit
eines Designers, nie mit geschlossenen Augen durch die Gegend
zu gehen, sondern alles zu registrieren, was um ihn herum passiert.
Die Suche nach neuen Formen und Materialien, nach Anregung und
Inspiration beschränkt sich nicht auf die tägliche
Arbeit im Unternehmen - sie geht auch in der Freizeit und im
Urlaub weiter.
Teilen
Sie diese Auffassung, Herr Weidhase?
Weidhase:
Ja, der Beruf ist das Hobby, das kann man nicht anders bezeichnen.
Man lädt sich überall mit Ideen-Energie auf, ganz
gleich ob man bei einem Formel 1 Rennen, im Kaufhaus oder im
Museum ist. Wenn man beispielsweise durch den Louvre geht und
sieht, wie perfekt in der Antike Gold und andere Materialien
verarbeitet wurden, dann ist das auch eine Inspiration für
die Design-Entwicklung bei BMW M. Das Design bei BMW M umfasst
ein breites Spektrum, bis hin zum luxuriösen Manufaktur-Auto,
das in unserer Individual-
Werkstatt entsteht. Auch aus diesem Segment holen wir uns als
Designer viele Anregungen und Ideen für die Serie.
Welche
überraschenden Entdeckungen gab es beim Design des neuen
M3, bzw. welche Aspekte waren besonders interessant?
Bachmann:
Beim Design des Interieurs war die Entwicklung der neuen Sportsitze
eine besondere Heraus-forderung. Ein wichtiges Kriterium ist
natürlich der Halt auf dem Sitz. Ein Ledersitz sieht herrlich
aus, aber das Material ist eben auch recht glatt. Unser großes
Ziel war ein rutschfestes und atmungsaktives Material. Mit der
Ausstattungsvariante M Textur bieten wir in diesem Bereich eine
innovative und sehr komfortable Lösung an.
Wie
ist die Idee zur M Textur entstanden?
Bachmann:
Am Anfang haben wir Alcantara gelocht. Man saß hervorragend
darauf, aber es entsprach optisch noch nicht unseren Vorstellungen.
Dann hatten wir die Idee, einen Stoff unter das gelochte Alcantara
zu legen. Dies war dann auch optisch eine ausgezeichnete Lösung.
Dieses Beispiel zeigt, wie wir ausprobieren und Varianten entwickeln,
die dann schließlich zum Erfolg führen. BMW M Design
ist immer ein lebendiges, künstlerisches Spiel mit Außenfarben,
Innenfarben und Materialien. Durch das Angebot von BMW Individual
besteht für unsere Kunden die Möglichkeit, sich ihren
BMW ganz den persönlichen Wünschen entsprechend gestalten
zu lassen.
Auf
welches Detail sind Sie beim Design des neuen M3 besonders stolz,
Herr Weidhase?
Weidhase:
Beim Exterieur-Design des neuen M3 war beispielsweise die Entwicklung
von Fahrzeugkomponenten aus Aluminium eine Herausforderung,
die wir sehr gut gemeistert haben. Die neue Motorhaube aus Aluminium
bringt eine Gewichtersparnis, der Powerdome schafft mehr Raum
für den Motor. Darüber hinaus ist die Haube des neuen
M3 ein markantes Differenzierungsmerkmal gegenüber der
Serie. Die Aluminiumhaube mit dem Powerdome trägt wesentlich
zum kraftvollen, aber äußerst eleganten Gesamteindruck
des neuen M3 bei.
Gab
es anfangs auch Schwierigkeiten bei der Entwicklung der neuen
Motorhaube aus Aluminium?
Weidhase:
Ganz am Anfang wurde schon diskutiert, ob es richtig ist, das
Wagnis einer vollkommen neuen Motorhaube einzugehen, angesichts
der geplanten hohen Stückzahl. Heute haben wir mit der
Aluminiumhaube des neuen M3 ein Bauteil, das hervorragend produziert
werden kann. Es war anfangs nicht einfach, das BMW Zeichen in
die neue Haube zu integrieren. Das Logo befindet sich ja in
einer Vertiefung, einer Art Tasche, es ist nicht einfach angeklebt.
Diesen Produktionsschritt in der Aluminiumbauweise zu realisieren
war für die Technik und das Design eine große Herausforderung.
Ich denke, mit der neuen Motorhaube des M3 haben wir inzwischen
für alle kommenden Modelle einen wichtigen Schritt getan.
Ihre Entwicklung ist ein besonders eindrucksvoller Beleg dafür,
wie gut und erfolgreich das Prinzip "Learning by doing"
funktionieren kann.
Und
auf welches Detail des neuen M3 sind Sie besonders stolz, Frau
Bachmann?
Bachmann:
Die Faszination des neuen M3 ergibt sich aus dem Zusammenspiel
aller Elemente. Aber um Ihre Frage zu beantworten, ich denke
spontan an das Design der neuen Sportsitze und an die handgebürsteten
Aluminiumleisten im neuen M3. Die Leisten werden in Italien
in einer kleinen Werkstatt bearbeitet. Jede Leiste hat einen
individuellen Schliff, die Oberfläche ist nicht maschinell
poliert. Wir haben mit Maschinen und unter-schiedlichen Lieferanten
experimentiert, um ein solches Ergebnis zu erreichen, längere
Zeit ohne Erfolg. Die Oberfläche hatte kein Leben, war
einfach zu regelmäßig. Dann haben wir gemeinsam mit
dem Einkauf die kleine Firma in Italien entdeckt. Es ist ein
Traum, so einen Zulieferer zu haben. Durch dieses Verfahren
hat das Interieur jedes M3 in gewissem Sinne den Charakter eines
Unikats.
Die
Kiemen setzen im neuen M3 ihr Comeback fort. Wie sind Sie zu
dem Entschluss gekommen, den neuen M3 mit Kiemen auszustatten?
Weidhase:
Natürlich fällt in diesem Zusammenhang oft das Stichwort
Retro-Design. Man denkt zu Recht an die Kiemen des legendären
BMW 507 aus den 50er-Jahren - oder auch an die des BMW 3.0 aus
den Siebzigern. Der BMW 3.0 war ein sehr schönes Coupé.
Er hatte ähnliche Kiemen wie der neue M3, allerdings nicht
verchromt. Mein Traum war es, den neuen M3 mit Kiemen auszustatten,
die nicht nur ästhetisch aussehen, sondern auch
funktional einen Sinn ergeben. Das habe ich versprochen, und
wir haben es mit den Technikern auch so realisiert. Durch die
Kiemen des neuen M3 kann die Abluft der E-Box entweichen, was
besonders im Stop-and-go-Verkehr bei sehr hohen Temperaturen
zur Kühlung beiträgt.
Wurde
auch ein neues Sound-Design entwickelt?
Weidhase:
Ja, selbstverständlich. Für den Motor, für die
neu entwickelte Auspuffanlage mit vier Endrohren wurde ein perfektes
Sound-Design entwickelt. Zum Sound-Design gehört natürlich
auch die Frage, wie viel Geräusche vom Motor in den Innenraum
gelangen. BMW M legt großen Wert darauf, dass jedes Auto
auch klanglich perfekt ausbalanciert ist. Bei BMW M gibt es
auch für den M5 das hervorragend abgestimmte HiFi-System
Individual High Audio.
Gibt
es einen speziellen Geruch bzw. Duft für das Interieur
des neuen M3?
Bachmann:
Nein, so etwas gibt es noch nicht. Bei diesem Thema bin ich
etwas skeptisch. Die meisten Gerüche haben einfach einen
extrem synthetischen Charakter, wirken viel zu chemisch. Wir
sind froh, dass alle M Automobile einen neutralen bzw. natürlichen
Geruch haben, zum Beispiel wenn schönes Leder verarbeitet
wurde und ein entsprechender Ledergeruch entsteht. Das ist viel
angenehmer als ein synthetischer Duftstoff.
Welche
Bedeutung hatte die Erprobung der Prototypen für die Design-Entwicklung
des neuen M3?
Weidhase:
Die Erprobung hatte maßgeblichen Einfluss auf das Design
des neuen M3. Wir sind sehr auf das Feedback der Versuchsingenieure
angewiesen. Das menschliche Empfinden ist ein entscheidendes
Kriterium für das Design aller BMW M Automobile.
Wie
wurde die Karosserie des neuen M3 im Windkanal getestet?
Weidhase:
Die Karosserie wurde mehrmals und mit vielen Zwischenschritten
getestet. Für den Test im Windkanal wurden zu Beginn Modelle
doppelt in Schaum gefräst, genau im Maßstab 1:1.
Dann wurden die aerodynamischen Daten erfasst. Wir Designer
sind in dieser Phase ständig präsent, gehen mit ins
Labor, um zu sehen, was passiert. Anschließend arbeiten
wir am Tonmodell die Erfahrungen ein. Wenn wir dann noch unzufrieden
sind, suchen wir nach anderen Möglichkeiten. Dann macht
man wieder Kontrollen und probiert aus. Zum Schluss wird natürlich
auch mit Referenz-Windkanalmodellen gearbeitet, deren Karosserie
und Fahrwerk schon fast ausgereift ist. Die seitlichen Schwellerverkleidungen,
die Außenspiegel, die neue Heckschürze und die Heckspoiler-Lippe
all das sind Innovationen, die aus der intensiven Arbeit
an der Aerodynamik des neuen M3 resultieren.
Der
Unterboden des neuen M3 wurde stark in das Design der Karosserie
einbezogen?
Weidhase:
Ja, sehr stark. Die Aerodynamik des Unterbodens hat nicht nur
Einfluss auf den Sprit-Verbrauch, sondern auch auf die Straßenlage,
das Fahrverhalten in Kurven. Ziel der Aerodynamik ist es, den
Auftrieb zu reduzieren. Der strömungstechnisch optimierte
Unterboden sorgt dafür, dass der neue M3 nach dem so genannten
Venturi-Effekt regelrecht an die Straße gesaugt wird.
Ebenso wichtig ist die Kühlung des Hinterachs-getriebes.
Dort können bei maximaler Leistung hohe Temperaturen entstehen.
Die aerodynamische Gestaltung des Unterbodens stellt beim neuen
M3 sicher, dass immer genug Luft an das Hinterachsgetriebe strömt.
Mit der Fahrleistung des neuen M3 sind wir in Grenzbereiche
vorgestoßen, in Dimensionen, die auch das Design vor ganz
neue Aufgaben gestellt haben.
Was
kennzeichnet die Arbeit der Design-Abteilung bei BMW M?
Weidhase:
Die Arbeit in der Design-Abteilung bei BMW M ist gekennzeichnet
durch die sehr gute Kommunikation im Team, durch den "direkten
Draht" und die klaren Entscheidungswege hier im Betrieb.
Die Übersichtlichkeit unseres Unternehmens hat große
Vorteile. BMW M ist eine kleine, exzellente Company, in der
erfahrene und hochmotivierte Mitarbeiter zusammenarbeiten. Alle
Entscheidungen sind klar nachvollziehbar. Dadurch sind wir in
der Lage, innerhalb kürzester Zeit beste Design-Qualität
abzuliefern. Der neue M3 ist die Quintessenz unserer auf Hochleistung
und Präzision ausgerichteten Unternehmensphilosophie. |