|
Welche
Überlegungen standen am Anfang der Entwicklung des neuen
M3?
Richter:
Unser Ziel war es natürlich, mit dem neuen M3 den Kundenwünschen
optimal zu entsprechen. Dazu war ein hohes Maß an Voraussicht
nötig, da zwischen der Konzeption und der Markteinführung
ja eine gewisse Zeitspanne vergeht. Wir müssen die Wünsche
der Kunden sehr genau kennen und dann in die Zukunft über-tragen.
Die erste Frage war also:
Was erwartet ein Kunde von einem neuen M3? Natürlich wird
er ihn mit dem Vorgänger vergleichen, und er vergleicht
ihn auch mit dem Wettbewerb. Der Kunde erwartet von uns hochkarätige
Sportwagentechnik und ein Maximum an Alltagstauglichkeit, Langlebigkeit
und Nutzwert. Wie Sie wissen, wurde der Vorgänger des neuen
M3 in Frankreich zum Auto des Jahrhunderts gekürt. Der
Anspruch an den Nachfolger ist also enorm. Ich denke, mit dem
neuen M3 ist es uns gelungen, diesem Anspruch mehr als gerecht
zu werden.
In
welche Phasen lässt sich die Entwicklung des neuen M3 unterteilen?
Friedmann: Am Anfang stand die Vision eines leistungsstarken,
aber absolut alltagstauglichen Sportwagens. Es liegt in der
Natur der Sache, dass die Anforderungen an den M3 zunächst
in erster Linie technischer Natur sind. Ein M Motor muss in
seiner Auslegung dem Hochdrehzahlkonzept entsprechen. Das hat
dann Auswirkungen auf die Gestaltung aller Bauteile, auf die
Entwicklung des Fahrwerks usw. Die Frage nach der Form, nach
dem Design, ist in jeder Entwicklungsstufe präsent.
Worin
unterschied sich die Entwicklung des neuen M3 von der seines
legendären Urvaters, des M3 E30?
Richter:
Die erste Generation des M3 war ein reinrassiges Tourenwagen-Fahrzeug.
Die Serie wurde damals in erster Linie entwickelt, um erfolgreich
in den Motorsport einzusteigen. Das Design war daher extrem
funktions-bezogen. Beim zweiten M3 waren die Anforderungen schon
anders, es ging nicht nur darum, ein Basis-Auto für den
Motorsport zu entwickeln, sondern ein sportliches Coupé
mit einem Höchstmaß an Alltagstauglichkeit und Komfort.
Es gab bei der Entwicklung des zweiten M3 also weitaus mehr
Gestaltungsspielraum. Inzwischen sind die Ansprüche unserer
Kundschaft weiter gestiegen. Diesen neuen Anforderungen wird
der neue M3 durch sein hochinnovatives Motorenkonzept und sein
äußerst sportliches Design gerecht.
Welches
ist für Sie der entscheidende Unterschied des neuen M3
zu seinem Vorgänger?
Richter: Der neue M3 ist insgesamt besser geworden. Der
Motor dreht noch leichtfüßiger als beim zweiten M3
und das überträgt sich auf das gesamte Empfinden.
Sie können also, wenn Sie möchten, mit höheren
Drehzahlen fahren, haben dadurch in jedem Gang bessere Anschlüsse
und insgesamt mehr Schubkraft. Das ist das, was Sie spüren.
Sie empfinden die Kraft, die an den Antriebsrädern wirkt.
Und dieses Empfinden beim Gangwechsel mit der ganzen Rückinformation
über das Lenkrad, über den Sitz, über die ganze
Akustik, das ist noch deutlich sportlicher ausgeprägt als
beim bisherigen Fahrzeug der neue M3 bietet also, wenn
Sie so wollen, von allem eine Stufe mehr.
Dem neuen M3 ist seine Kraft deutlicher
anzusehen als seinem Vorgänger. Welche Bedeutung haben
Elemente wie der Powerdome und die muskulöse Karosserie
im Hinblick auf die Gesamt-entwicklung?
Friedmann: Am Anfang stand nicht die Überlegung:
Wir zeigen jetzt mehr Kraft. Die Reihenfolge war anders. Am
Anfang stand eine Produkt-Vision und die Frage: Was erfordert
die Technik und wie setze ich dieses Ziel um? So haben wir beispielsweise
die Spurweite des neuen M3 vergrößert, größere
Räder, Reifen und Bremsen entwickelt, um eine sportlichere
und einzigartige Fahrdynamik herzustellen. Wir erheben nicht
den Anspruch, optische Gimmicks umzusetzen und das dann zu vermarkten.
Jedes Detail des M3 muss einen Sinn haben, der für den
Kunden nachvollziehbar ist. Daraus resultiert die Optik, wie
sie der neue M3 besitzt.
Ergibt
sich das Design des neuen M3 mehr oder weniger aus den Vorgaben
der technischen Entwicklung, ist es dieser untergeordnet?
Friedmann: Nein, das Design spielt beim neuen M3 wie
bei allen M Automobilen eine ganz zentrale Rolle. Es ist nicht
nur funktional, sondern muss auch den technischen Anspruch des
Fahrzeugs ästhetisch zum Ausdruck bringen. Ein reines Funktionsdesign
würde den Ansprüchen unserer Kunden nicht genügen.
Es gilt zwar der Gedanke: Form follows function, aber das bedeutet
für ein M Fahrzeug immer auch: ein Maximum an äußerer
Schönheit und ästhetischer Faszination.
Welchen Einfluss hat die hohe Motorleistung
des neuen M3 auf die Entwicklung des Gesamt-fahrzeugs?
Friedmann: Die Motorkraft des M3 stellt außergewöhnliche
Ansprüche an alle Bauteile. Zur Übertragung der Leistung
auf die Straße haben wir das Fahrwerk und die Karosserie
deutlich verbreitert, leistungsstarke Bremsen eingebaut und
die Aerodynamik an den erhöhten Kühlluftbedarf angepasst.
Alles zusammen trägt erheblich zum sportlicheleganten Gesamteindruck
bei.
Wie
wird der Motor des neuen M3 getestet und wo wird er hergestellt?
Friedmann:
Bevor der Motor des neuen M3 in Serie ging, haben wir mehr als
80 Versuchs-Motoren bei BMW M aufgebaut und umfangreichen Funktions-
und Dauertests unterzogen. Durch so genannte Zeitraffertests
konnten Fahrleistungen von jeweils ca. 150.000 Kilometern innerhalb
weniger Wochen durchgeführt werden. Diese Testverfahren
garantieren eine extreme Belastbarkeit und Langlebigkeit des
Triebwerks. Der Motor des neuen M3 wird hier in München
im BMW Stammwerk gebaut und dann im Werk Regensburg in das Fahrzeug
eingebaut.
Die
zweite Generation des M3 war in den USA mit etwas weniger Motorleistung
ausgestattet als in Europa. Ist das beim neuen M3 auch so?
Richter: Nein, der neue M3 wird weltweit mit dem gleichen
Grundmotor ausgeliefert. Bedingt durch die unterschiedliche
Auslegung für die US-Abgasgesetzgebung ergibt sich ein
im normalen Fahrbetrieb nicht relevanter Unterschied in der
Leistung von etwa 3 %.
Wie
lange dauerte die Entwicklung des
M3 und wie arbeiten die Beteiligten zusammen?
Friedmann:
Für den M3 haben wir mit nur 22 Monaten Serienentwicklungszeit
einen sehr straffen Produktentstehungsprozess definiert. In
diesem Prozess sind die einzelnen Fachdisziplinen sehr stark
miteinander verzahnt. Wir haben hier bei BMW M eine enthusiastische
und "rennerprobte" Entwicklungs-mannschaft. Und uns
stehen die modernsten Simulations- und Konstruktions-Tools zur
Verfügung. Nur so lässt sich dieser hochkonzentrierte
Prozess effizient verwirklichen. Entscheidend ist, wie im Rennsport,
die konsequente Ausrichtung aller Aktivitäten auf das eine
Ziel: alltagstaugliche Hochleistungs-Sportwagen in technischer
Perfektion mit individuellem Auftritt zu einem vernünftigen
Preis.
Welche
besonderen Kriterien muss ein M Fahrzeug erfüllen?
Richter: Man könnte das in Kürze so formulieren:
Ein M Fahrzeug muss in mindestens 8 min 30 um die Nürburgring-Nordschleife
fahren können, trotzdem auf der ganzen Welt zulassungsfähig
und vollkommen alltagstauglich sein. Darüber hinaus muss
ein M Fahrzeug Emotionen möglich machen, dem Fahrer die
Möglichkeit geben, "Teil der Maschine" zu sein.
Wie
wird denn dieser Leitgedanke im Laufe der Entwicklung mit konkreten
Inhalten gefüllt?
Richter: Dazu gehört die Entwicklung einer Vielzahl
von technischen Komponenten, die perfekt aufeinander abgestimmt
werden. Eine bestimmte Bremse, ein ganz bestimmter Bremskraftverstärker,
ein Lenkrad, eine Lenkübersetzung, und nicht nur die Übersetzung,
sondern auch die Servounterstützung der Lenkung, die eine
komfortable, leichte Bedienung gewährleisten muss. Hinzu
kommt natürlich die Entwicklung einer Vielzahl
weiterer Bauteile. Die Entwicklung eines M Fahrzeugs gleicht
der Kreation eines Gesamtkunstwerks.
Wie
gehen Sie bei der Entwicklung der einzelnen Komponenten des
M3 vor?
Friedmann:
Die technische Entwicklung der einzelnen Komponenten beginnt
mit Simulationsrechnungen bezüglich Funktion und Festigkeit.
Auf dieser Basis werden Versuchsteile ausgelegt und konstruiert,
die in erste Prototypen verbaut werden. Es folgen mehrere Entwicklungsschleifen,
in denen auch mit neuen Werkstoffen und
Fertigungstechniken experimentiert wird. So nähert man
sich zielstrebig dem Optimum.
Gibt
es ein Bauteil oder Detail des neuen M3, auf dessen Entwicklung
Sie besonders stolz sind?
Friedmann:
Mich beeindrucken die Gesamteigenschaften des Fahrzeugs, deshalb
fällt es schwer, diese Frage zu beantworten. Aber wenn
wir jetzt einmal ein Detail herausgreifen sollen, Herr Richter
und ich, auf das wir persönlich besonders stolz sind, dann
können wir vielleicht das gut gewachsene, kräftige
Lenkrad des neuen M3 nennen, das durch einen deutlich dickeren
Kranz perfekt in der Hand liegt. Das Lenkrad hat einen entscheidenden
Einfluss auf den Bedienkomfort und das Fahrgefühl im neuen
M3. Sie können sehr leicht damit steuern und haben wirklich
einen satten Griff.
Welchen
Stellenwert hatte die Entwicklung der Reifen des neuen M3?
Friedmann:
Einen sehr großen. Die Reifenentwicklung war sehr aufwendig
und wurde, zusammen mit der Entwicklung der neuen M Leichtmetallgussräder,
optimal auf die Entwicklung des Fahrwerks abgestimmt. Ein Detail,
auf das nicht nur unsere Ingenieure, sondern auch unsere Designer
besonders stolz sind.
Seit
gut vier Jahren verzichten Sie in den M Fahrzeugen auf das Reserverad.
Hat sich dieses Konzept bewährt?
Richter: Ja, weil die Statistik zeigt, dass nur alle
100.000 km eine Reifenpanne passiert. Es wäre also un-intelligent,
einen Ersatzreifen mitzunehmen. Beim BMW M roadster verzichten
wir seit vier Jahren auf ein Reserverad und nutzen den Raum
für Schalldämpfervolumen, für Technik. Je größer
das Schalldämpfervolumen, desto bessere Voraussetzungen
hat man, leise zu sein und eine hohe Leistung zu verwirklichen.
Der neue M3 ist mit einem neu entwickelten M Mobility-System
ausgestattet, das aus Schnelldichtmittel, integriertem Mini-
Kompressor und Füllschlauch besteht. Das spart Gewicht
und Bauraum.
Was
zeichnet die Innenausstattung des neuen M3 aus ?
Richter:
Die Materialien, die Form und Farbgebung, die Oberflächen,
die Haptik, das ist alles komplett M spezifisch. Wobei es hier
aufgrund der unterschiedlichen Kundenwünsche natürlich
nicht nur eine Ausstattung gibt. Durch die universellen Einsatzmöglichkeiten
des M3 ergeben sich viele Variationsmöglichkeiten für
die Innenausstattung vom echten Sportwagen-Interieur
bis zum luxuriösen Coupé für den Alltag. Außerdem
kann jeder Kunde durch BMW Individual seinen M3 bei uns nach
seinen Wünschen individuell gestalten lassen.
Zu
den Menschen, die den M3 bauen: Was bringen die mit, was zeichnet
sie aus?
Friedmann:
Mitarbeiter bei M müssen nicht nur exzellente Techniker
und Ingenieure sein, sondern auch Spaß am Produkt haben.
Sie müssen sich vorstellen können, wie sich das Fahrzeug,
das sie entwickeln, in der Praxis verhält. Unsere Mitarbeiter
bringen den Enthusiasmus mit, Ideen und Wünsche in Technik
umzusetzen. Wenn z.B. der Konstrukteur am CAD-Bildschirm arbeitet,
hat er eine genaue Vorstellung davon, wie das Bauteil aussehen
muss, um das gewünschte Fahrgefühl zu ermöglichen.
Es ist eine Herausforderung, Menschen mit dieser Gabe zu finden.
Hier bei M arbeiten sie hochmotiviert und im Team zusammen.
Wie
viele Mitarbeiter sind an der Entwicklung des M3 beteiligt gewesen?
Friedmann:
Das schwankt sehr stark, in Abhängigkeit von der Entwicklungsstufe
des Fahrzeugs. In der Konzeptionsphase arbeiten etwa sechs bis
zehn Personen am neuen Modell. In dem Augenblick, wo wir dann
in die Vorentwicklungsphase bzw. Vorbereitungsphase und in die
Serienphase gehen, steigt das sprunghaft auf etwa 60 bis 100
Beschäftigte an. Im nächsten Schritt bei der Umsetzung
der Fahrzeugkonzepte in den Werken stehen ca. 500 Kollegen und
eine ganze Werksstruktur dahinter.
Am
Anfang definiert also ein relativ enger Personenkreis die Grundzüge
des Fahrzeugkonzepts. Wie sieht im Anschluss die Zusammenarbeit
der einzelnen Teams aus?
Friedmann:
Im Projekt- bzw. Basisteam wird über einen Zielkatalog
auch der grundsätzliche Arbeitsauftrag für die einzelnen
Fachbereiche definiert. Dieser Projektauftrag ist das Gerüst,
an dem sich die übrigen Fachab-teilungen dann bei der Ausführung
ihrer Beiträge zum neuen M3 orientiert haben. Das Projektteam
koordiniert die Arbeit der einzelnen technischen Bereiche während
der Fahrzeugentwicklung. Darüber hinaus gibt es natürlich
einen regelmäßigen Informationsaustausch zwischen
den Mitarbeitern der einzelnen Fachabteilungen.
Die
Entwicklung des neuen M3 wurde also von einem festen Projektteam
begleitet, das die Arbeiten der einzelnen Fachabteilungen wie
z.B. Motorentwicklung und Karosseriedesign koordiniert?
Friedmann:
Ja, richtig. Eine wichtige Funktion hat dabei das Computer Aided
Design (CAD), das wir hier bei BMW M schon seit 1986 einsetzen.
Mit dem CAD haben wir die Möglichkeit, alle Komponenten
des M3 virtuell darzustellen. Das Datenmaterial ist am Computer
schnell und mühelos modifizierbar und auch reproduzierbar.
Das erleichtert die Planung und auch den Informationsaustausch
der einzelnen Fachbereiche untereinander.
Gibt
es für jedes Bauteil des M3 einen Spezialisten?
Friedmann:
Das ist abhängig vom Bauteil. Es gibt bestimmte Komponenten,
da konzentriert es sich wirklich auf einen Mitarbeiter. Solche
Fachleute, die z.B. das hochbelastbare Pleuel für den M3
entwickelt haben, bringen ihre langjährige Erfahrung aus
der Entwicklung anderer M Motoren und Fahrzeuge mit ein. Die
Mitarbeiter-fluktuation hier bei M ist sehr niedrig. Davon profitiert
das Produkt und letztlich der Kunde.
Wurden
bei der Entwicklung des neuen M3 auch Tonmodelle im Maßstab
1:1 gebaut?
Richter:
Ja, natürlich. Es gibt kein anderes Verfahren, das eine
vergleichbar gute Styling-Beurteilung er-möglicht. Es gibt
zwar Möglichkeiten, Schattierungen und Lichtreflexe in
die Darstellung auf dem Computer einzubinden, aber ein dreidimensionaler
Körper, um den Sie herumgehen können, idealerweise
noch in Bewe-gung, führt zu ganz anderen Ergebnissen als
ein starres, künstliches Bild. Die zweidimensionale Darstellung
dient zur ersten Orientierung. Wir können unterschiedliche
Bauzeichnungen als CAD-Modell im Maßstab 1:1 auf eine
Leinwand projizieren und dann in Rundumansicht analysieren.
Wenn dann auf diesem Wege eine Konstruktionslinie festgelegt
wurde, werden die Tonmodelle im Maßstab 1:1 angefertigt.
Diese Modelle dienen dann der endgültigen Styling-Entscheidung.
Welche
Entwicklungsschritte folgen, wenn diese Richtung festgelegt
wurde?
Richter:
Dann werden für verschiedenen Versuchszwecke Prototypen
des Fahrzeugs entwickelt, die auch bewegt werden. Besonders
für die Abstimmung der Aerodynamik im Windkanal sind solche
Prototypen unerlässlich. Sie bestehen in diesem Fall aus
einem speziellen Kunststoff und durchlaufen eine Vielzahl von
Überarbeitungsstufen, bis ein optimales Ergebnis erzielt
wird. Die Heckspoiler-Lippe des neuen M3 wurde auf diese Art
und Weise entwickelt, aber auch Details wie z.B. die Außenspiegel
oder die Frontschürze. Auch die Fahrzeugunterseite des
neuen M3 wurde nach aerodynamischen Kriterien konzipiert. Der
M3 besitzt ein hervorragendes Strömungsverhalten mit minimalem
Luftwiderstand und optimal reduziertem Auftrieb. Das macht ihn
schnell und senkt den Spritverbrauch.
Welche
Bedeutung hat die Entwicklung von Prototypen bei BMW M?
Richter:
Die Entwicklung und Erprobung von Prototypen liefert uns sehr
aufschlussreiche Daten und Erkenntnis-se. Es gibt noch keine
Simulationsprogramme, die diesen Entwicklungsschritt ersetzen
können. Ein Fahrzeug-charakter lässt sich am Computer
nicht darstellen. Erst wenn Sie ein Auto fahren, merken Sie:
Was passiert da eigentlich. Deswegen wird der Entwicklung von
Prototypen bei BMW M größte Bedeutung zugemessen.
Welche
Mitarbeiter sind für die Feinabstimmung der Fahreigenschaften
des M3 besonders wichtig?
Richter:
Das sind unsere Versuchsingenieure, die die Prototypen fahren.
Sie sind das Bindeglied zwischen den im Fahrzeug erlebbaren
Empfindungen und den Konstrukteuren, die die gewünschten
Eigenschaften des Fahrzeugs technisch umsetzen. Das Einfühlungsvermögen
der Versuchsingenieure und das Verständnis der Konstrukteure
für die beabsichtigten Fahreigenschaften sind grundlegende
Voraussetzungen für unsere Arbeit. Dieses Feeling, die
Fähigkeit, Automobile mit einem unverwechselbaren Charakter
auszustatten das zeichnet unsere Arbeit aus, und das
geschieht ganz wesentlich in der Erprobung am Nürburgring.
Das geht an keinem Computer, das geht an keinem Simulationsprogramm,
das geschieht auf der Straße. Dort bekommt das Auto dann
seinen endgültigen Schliff.
Offensichtlich
mögen die Menschen den ...
Friedmann: Ja, denn jedes M Fahrzeug bietet Spitzentechnologie
und hat einen eigenständigen Charakter.
Wo
Sie gerade die Erprobung des neuen M3 auf dem Nürburgring
ansprechen welchen Tests wurde der M3 denn noch unterzogen?
Richter: Für die einzelnen Komponenten gibt es reproduzierbare,
festigkeitsbezogene Tests. Um die Materialstärke und Qualität
zu überprüfen wird dabei immer nach demselben Programm
das Auto oder einzelne Bauteile des Fahrzeugs analysiert und
verbessert. Das beginnt zuerst auf Prüfständen hier
bei uns im Unter-nehmen.
Und
welche Testverfahren gibt es dann für die Prototypen?
Richter:
Wenn es komplette Fahrzeuge bzw. Prototypen gibt, werden diese
reproduzierbar am Nürburgring auf ihre Qualität und
Festigkeit überprüft, insbesondere das gesamte Fahrwerk
und die Karosserie. Auf dem BMW Testgelände in Südfrankreich
geht es dann darum, alle Teile, die sich drehen, Motor, Getriebe,
Achsen, Antriebswellen, Radlager usw., auf Belastung und Haltbarkeit
zu überprüfen. Anschließend folgen Tests, in
denen die Feinabstimmung aller Bauteile perfektioniert wird,
in denen gewissermaßen der Charakter des Fahrzeugs eingestellt
wird. Und am Ende erfolgen Praxistests unter Extrembedingungen
in verschiedenen Klimazonen wie z. B. in Südafrika, in
den USA im Death Valley, in Kanada und in Schweden. Insgesamt
hat der neue M3 auf diese Art und Weise ca. 2 Millionen Test-Kilometer
absolviert.
Wann
und wie wurde die Serienfertigung des M3 in Regensburg geplant?
Friedmann:
Die Serienfertigung wurde parallel zur Entwicklung der Prototypen
mit dem Werk Regensburg gemeinsam ausgeplant. Je näher
der Serieneinsatztermin rückt, desto mehr wachsen Entwicklung
und Produktion zusammen. Damit ist es möglich, hochparallel
zu arbeiten und z.B. per Band-Ende-Programmierung alle Steuergeräte
mit dem aktuellsten Datenstand zu aktivieren.
Wie
lange dauert die Produktion eines neuen M3 im Werk Regensburg?
Friedmann:
Das hängt davon ab, welche Sonderausstattung der Kunde
für seinen M3 möchte. Man kann aber sagen: etwa sechs
Wochen von der Bestellung beim Händler bis zur Auslieferung.
Grundsätzlich hängt es natürlich auch davon ab,
wie groß die Nachfrage generell ist. Wie Sie wissen, gibt
es für den M5 in den USA Lieferzeiten von über einem
Jahr. Diese Wartezeiten resultieren aber nicht daraus, dass
wir zu langsam produzieren, sondern daraus, dass es doch sehr
viele Kunden gibt, die unsere Produkte begehren.
Worin
sehen Sie bei der Entwicklung des neuen M3 die größte
technische Herausforderung, Herr Richter?
Richter:
Für mich steht da die Motorentwicklung im Mittelpunkt.
Aber auch die Zulassungsbestimmungen waren eine ganz interessante
Herausforderung, beispielsweise die Unterschreitung der Grenzwerte
für Außenge-räusche. Hier ist es uns beim neuen
M3 durch intensive Forschung und Entwicklung gelungen, das Rollgeräusch
der Reifen weiter zu minimieren. Aber im Wesentlichen war es
doch die Herausforderung, hohe Motorleistung und Durchzugskraft
mit exzellentem Komfort und hervorragender Straßentauglichkeit
zu verbinden. In puncto Komfort sind es Details wie etwa die
neu entwickelten Sportsitze des M3, die mich begeistern. Die
Sitze sind auch in der Sitzlehnenbreite elektrisch verstellbar
und ergonomisch hervorragend ausbalanciert.
Herr
Friedmann, wenn Sie als Projektleiter zurückblicken: Was
waren für Sie die Höhepunkte bei der Entwicklung des
neuen M3?
Friedmann:
Ein Höhepunkt bei der Entwicklung des neuen M3 war für
mich die Fahrt mit einem der ersten Prototypen. Dabei wurde
das ausgezeichnete Fahrverhalten und das Leistungspotenzial
des M3 zum ersten Mal richtig erfahrbar. Allen Teammitgliedern,
die dieses hervorragende Fahrzeug geschaffen haben, gilt daher
mein besonderer Dank. |